Mit diesem Bild, aus der Zeitschrift der Deutschen Bundesbahn für Reise und Touristik April 1975, fing alles an.York Ich hatte mich sofort begeistert und mein Entschluß, dass ich nach England fahren würde, stand fest. Sofort bestellte ich die Fahrkarten für Carola, Frank und mich. Nach 14 Tagen, vom Bestelltag an gerechnet, waren sie in meinem Besitz. Mein Gott, war ich aufgeregt!
Schon lange war es mein sehnlichster Wunsch gewesen, über den Teich zu reisen.
In der Schule hatte ich immer aufmerksam zugehört, wenn von Artus und der Tafelrunde erzählt wurde. Mein Gott, war ich aufgeregt. Endlich sollte sich mein Traum erfüllen. Die vielen alten Ruinen und Herrenhäuser könnte ich mir ansehen und die tollen Kathedralen und Minster besichtigen. Aber es würde eine Strapaze werden.
TicketDoch plötzlich ergab sich etwas ganz Unerwartetes. George, mit dem ich damals noch nicht verheiratet war, wollte uns begleiten. Jetzt sollte die Fahrt mit dem Auto stattfinden.
Es konnte uns gar nichts Besseres passieren, als mit einem Engländer in seine Heimat zu reisen. Wir hatten also ab sofort unseren eigenen "Reiseführer".
Nachdem alle Vorbereitungen sorgfältig getroffen waren, fuhren wir am Sonntag, dem 17.August 1975 um 15.45 Uhr, mit dem Pkw in Rheinhausen ab. Der Weg führte uns über Venlo(Grenze), Eindhoven, Tillburg, Breda und Doordrecht bis Hoek van Holland.

Hier wartete unser Schiff. Es hieß "St. Edmund" und sollte um 23 Uhr ablegen.
Unsere Kabine (4 Betten) hatte die Nummer 535 und befand sich auf dem E-Deck. Wir stellten das Auto ab und begaben uns neugierig zur Kabine, um die Betten zu verteilen. War aber kein Problem. Carola
Sealink-Fähreund Frank wollten beide oben schlafen (ich war richtig froh).
Während die St. Edmund in Richtung Harwich fuhr, begaben sich die Kinder nur zu gerne in die Betten. George und ich gingen in die Schiffsbar, um einige Drinks zu uns zu nehmen. Die See war ziemlich rauh und das Schiff hatte zu schaukeln begonnen und mir war übel, so dass es nur zu einem Bier und einem Brandy kam. Gestützt auf George, ging ich in die Kabine zurück und sofort ins Bett. Was für ein Gefühl...abwechselnd schienen meine Füße und dann wieder mein Kopf, oben zu sein. Mir war furchtbar schlecht und ich fühlte mich krank.
Als wir am anderen Morgen gegen 6 Uhr erwachten, waren wir bereits vor der Küste Englands. Der Steward brachte uns Tee (mit Milch), der nicht besonders gut schmeckte.
Danach wurden die Kinder und das Gepäck zusammengesucht und ab ins Auto ......zur Passkontrolle.
Unser Auto Freundlich wurden wir gefragt, ob wir etwas zu verzollen hätten. Konnten wir nur verneinen. Es folgte ein guter Rat vom britischen Zöllner: "Drive on the left, please!" und los ging´s.

Die erste Stadt, die wir uns ansehen wollten, war die Universitätsstadt Cambridge. Wenn man das untere Bild betrachtet, erklärt sich das Wappen von selbst.
Hier erstaunte mich besonders, dass die Universität aus vielen Gebäuden besteht, die sich über die gesamte Stadt verteilen.Wappen von CambridgeAm und im King´s College haben wir die meiste Zeit verbracht, weil es in der dazu- gehörenden Kapelle soviel Sehenswertes gab, an dem wir nicht achtlos vorübergehen konnten. Sehr viele Ornamente mit Rosen (Zeichen des Königs) und Lilien (Zeichen Frankreichs) schmücken die Wände. Anschließend gingen wir durch den großen Park spazieren
Cambridge und Frank wollte unbedingt in dem Cam (so heißt der Fluß durch Cam-bridge) fischen. Leider war es nicht möglich, da die meisten Gewässer privat sind.
Nachdem wir uns gestärkt hatten, konnten wir weiterfahren.
Ely...sollte unsere nächste Station werden. Die Geschichte Elys beginnt im Jahr 673 mit dem Bau einer Abtei. Eigentlich nur ein kleiner Ort. Darf sich aber Stadt nennen, weil er eine große Kathedrale hat, die es dann auch wert war, besichtigt zu werden. Das Gefühl, das mich beim Anblick des Inneren befiel, kann ich nicht in Worte fassen. Soviel Schönheit habe ich nie zuvor gesehen.
Dänische Wikinger überfielen East Anglia in den 70er Jahren des 9. Jahrhunderts. Sie zerstörten sehr viele Kirchen. Von der alten Abtei ist heute nichts mehr zu sehen.
Ely Octagon-tower Neben der Hauptkirche befindet sich eine Kapelle, die die größte, gewölbte Decke aufweist und dennoch von keinen Säulen oder Balken getragen wird.
Von Ely ging´s über Downham Market, King´s Lynn, Sutterton und Boston nach Sleaford. Hier fanden wir ein ausgezeichnetes Quartier im "White Hart". Das Hotel hatte das Zeichen AA**, war also schon etwas Besonderes. Die Kinder bekamen Zimmer 9 und wir zogen in die Nr. 4. Schnell frisch gemacht und ab...ins Chinarestaurant. Auf dem Weg dorthin konnten wir in einem Bach herrliche Forellen beobachten. Wer wollte wieder fischen? Frank natürlich. Doch.....leider! Als die Kinder schliefen, gingen wir beide in den Pub. Ausnahmsweise gab es "kühles" Bier.
Nach einem ausgiebigen Frühstück, das aus Cornflakes, Schinken, Eiern, Würstchen, Tomaten, Toast, Butter, Marmelade und Tee bestand, fuhren wir weiter gen Norden. Der Weg ging über Doncaster (wo wir die Stadt besichtigten und etwas kauften) und Selby nach York. Die Stadt, die der Auslöser für meine Reise nach England war. York war erreicht! Es regnete und die Straßen waren voller Autos, weil überall Pferderennen stattfanden. Eine herrliche Stadt, die von den Römern gegründet, mit der Stadtmauer und einer Fülle mittelalterlicher Bauten, eine der schönsten Städte Englands ist. Überhaupt ist das gesamte Yorkshire-Gebiet eine malerische Landschaft.
Yorck Um 14.30 Uhr waren wir in York und die Kinder hatten fürchterlichen Durst. Doch wir staunten nicht schlecht. Kinder waren in dem Pub nicht erlaubt. Sie bekamen ihre Limo auf der Straße zu trinken und wurden dann in das York Minster geschickt, um etwas für die Bildung zu tun. Nachdem wir etwas getrunken hatten, holten wir die beiden vom Minster ab. Man konnte nicht viel sehen, weil es gerade restauriert wurde. Wir betrachteten, was möglich war und begaben uns anschließend in the Undercroft. Diese Krypta war notwendig geworden, weil das Minster einzustürzen drohte. Ein Gang durch das Unterirdische gab uns einen Einblick über die Geschichte und Entstehung des Minsters. Dabei konnten wir viele vorzeitliche Mauern bestaunen, die ehemals die Römer erbaut hatten und die sich noch unter dem Minster befinden.
Wir hatten den Tag verloren. Es war spät und wir wollten nach Whitby -deshalb mußten wir aufbrechen. Also fuhren wir nach Malton. Hier bemühten wir uns um ein Zimmer, nachdem wir im Grill-Room gespeist hatten. Leider.....nichts! Wohin wir auch kamen, es war alles belegt. Weiter nach Pickering.....belegt, Kirkbymoorside.....belegt, Helmsley....belegt. Immer weiter entfernten wir uns von Whitby und ich bedauerte George, weil er überall vergebens fragte. Die nächste Stadt war Thirsk und wir hofften hier eine Unterkunft zu finden...nichts. Ebenso erging es uns in Ripon, und Ripley. Engaged!!!
Es ging auf Mitternacht zu. Frank war mittlerweile auf dem Rücksitz eingeschlafen als wir Harrogate erreichten. Das erste Hotel, das wir sahen, war das "Dirlton-Hotel". Es sah sehr vornehm aus. Wir fuhren also die Auffahrt hinauf und George ging ´mal wieder fragen. Es dauerte eine geraume Zeit, bis er wiederkam und 2 Doppelzimmer hatte. Er mußte direkt bezahlen und der Preis war genauso vornehm, wie das Hotel. Wir verbrachten also die Nacht in einem feinen Hotel.... aber in single-beds.
Am nächsten Morgen, es war der 20.8.75, besuchten wir Fountains-Abbey. Es ist eine
Fountains-Abbey Kloster
ruine und steht wie viele andere unter Denkmals
schutz. Das Bild links zeigt die Haupt
ansicht von Nord-West. Der seitliche Anbau ist das Cellarium. Wahrscheinlich wurde das Wort von dem lateinischen Cella abgeleitet, das den Hauptraum in antiken Tempeln bezeichnete, in dem das Götterbild stand. Das Kloster wurde um 1135 erbaut und war ein riesiges Bauwerk. Das Hauptportal war der Eingang zur Kirche und wo der Kamin zu sehen ist, befand sich
ein großer Raum, in dem sich die Mönche wärmen konnten. Sie nannten es das "warming house".
Fountains-AbbeyVor seiner Unter
drückung im Jahre 1539 war das Kloster eine Stadt für sich. Es hatte Kirche, Kapelle, Kranken
haus, Wohn
räume, Küchen, Gefängnis und 2 Gäste
häuser. Die Gebäude wurden zum Teil über dem Fluß Skell erbaut.Die untenstehende Ansicht ist von Südwest und läßt im Vordergrund die Krankenstube der Laienbrüder erkennen. Natürlich steht auch hier nur noch eine Mauer mit dem Eingang.
Das Denkmal ist einen Besuch wert.
Nachdem wir Fountains-Abbey im herrlichen Yorkshire besichtigt hatten,
Fountains-Abbey fuhren wir durch eine wunderschöne Landschaft weiter. Herrliche Wiesen mit viel Grün. Sie waren mir so fremd und dennoch vertraut. Ich konnte von dem schönen Land nicht genug bekommen.
Dann fuhren wir über Rippon weiter bis nach Chesterfield. Sehr interessant und auch markant, ist die Kirchturmspitze, die aus Holz gebaut wurde. Im Laufe der Zeit hat sich das Holz verzogen und somit wurde die Spitze schief und krumm. Also ein "twisted spirer". Der Turm ist sehr markant und es wird lange brauchen, bis man einen ähnlichen zu sehen bekommt.
Chesterfield
Endlich fanden wir ein Geschäft und Frank bekam eine Angel...bei Woolworth. Jetzt gab es kein Halten mehr. Das neue Angelgerät sollte schließlich auch ausprobiert werden. Also fuhren wir weiter und suchten nach einer Angelmöglichkeit.
Das Gebiet, in dem wir uns etwas später befanden, war Derbyshire und die nächste Stadt hieß Bakewell. Hier war gerade Markttag.....leider waren wir wieder die ersten, die zu spät kamen. Also unternahmen wir einen Spaziergang am Flüßchen entlang....durch die Stadt.Auf dem Weg sahen wir in einem Schaufen=
ster eine Anzeige: Church-Farm, Youlgreave. Eine Tel.-Nr. war auch angegeben und wieder rief George an und fragte, ob Zimmer frei wären. Diesmal hatten wir Glück und zogen für 3 Nächte dort ein. Jetzt waren auch die Kinder glücklich. denn da gab es außer einer Ziege, Pferden, einem Hund und Dakin (Kleinkind der Familie),
Bakewell auch noch eine "dreibeinige" Katze. Es war ein paradisischer Ort dieses Youlgreave..richtig verträumt.
Wir unternahmen viele Tagesausflüge in die herrliche Landschaft von Yorkshire, fanden sie "stonewalls" umwerfend interessant und die weidenden Schafe auf den Wiesen waren auch viel niedlicher und schöner als bei uns daheim.
In der Nähe von Bakewell gibt es ein sehr herrschaftliches. altes Haus. Wir mussten das unbedingt auch noch besuchen. Der größte Teil des Hauses ist zur Besichtigung freigegeben. Sehr, sehr viele menschen besuchen diese Kostbarkeit Englands und nehmen sich aus dem Souvenir-shop ein Andenken an den schönen Tag mit.
Chatsworth-house Abends wollten wir essen gehen und der Landlord empfahl uns ein Dorf mit dem Namen "Hartington". Hartington ist ein hübsches kleines Dorf am Rande von Derbyshire Grenze Staffordshire. Also....hin. Es war ein gemütliches, kleines Restaurant. George, Carola und ich aßen: Gammon mixed Grill with pine-apple und Frank bekam ein chicken-cutlet. Dazu tranken wir sehr viel Tee. Als Nachtisch gab es dann noch Fruchtcocktail mit Eis und für George: Homemade Apple-pie & fresh cream.
Hartington
Das Breakfast auf der Church-Farm war reichlich und am 21.8. wollten wir das "House of the Duke and Duchess of Devonshire" - Chatsworth - besuchen. Wir waren 1 Stunde zu früh dort und fuhren weiter nach Mattlock. Hier besorgte George sich eine Fischereierlaubnis und Maden. Jetzt ging es zum Angeln nach Mattlock-Bath. Frank war begeistert. Bis 15 Uhr verbrachten wir die Zeit an dem Flüßchen Derwent. Aber wir hatten kein Anglerglück. Nur kleine Fische kamen an den Haken.
Haddon-Hall Auf dem Weg zurück zur Church-Farm, kamen wir an der Haddon-Hall vorbei, die wir leider nicht mehr besuchen konnten, weil unsere Zeit viel zu knapp war. Gerne hätten wir uns das Haus angesehen, doch wir mußten das Vorhaben leider verschieben.
Am Freitag, war es dann soweit. Die Kinder wollten auf der Farm bleiben und wir besuchten Haddon-Hall. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Aber ich war erstaunt und überwältigt, als ich den Prunk und die vielen kostbaren Antiquitäten sah. In der Bibliothek befand sich eine riesige Anzahl von kostbaren Büchern und in den Vitrinen erlesenes Porzellan aus fast allen Ländern der Welt. Das Haus selber muß um 1500 erbaut worden sein, denn im Jahre 1577 hat bereits der Earl of Leicester dort logiert.
Riesige Ahnenbilder schmücken die Wände und geben Auskunft über die Historie der Cavendish´s. Der Besuch dieses Hauses ist nur empfehlenswert. Ein bleibender Eindruck.
Am nächsten Tag, es war Samstag, reisten wir gegen 11.oo Uhr ab. Wir wollten nach Wrentham, hatten aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wir fuhren über Belper, Derby, an Nottingham vorbei nach Grantham, Sleaford, Wisbech, Downham-Market..... Richtung Thetford. Von hieraus nach Scole bis Harleston. Als wir endlich in Wrentham ankamen, bekamen wir natürlich kein Zimmer. Wieder das gleiche Spiel, wie auf der Hinfahrt. Also weiter. Blyford, Yoxford, Wickham-Market nach Ipswich. Überall vergebens. es blieb uns nichts anderes übrig, als direkt nach Harwich zu fahren. Plötzlich sahen wir die "Mistley Towers"
Mistley-towers Endlich fanden wir in Mistley 2 Zimmer in dem Hotel "The Thorn". Feine Gesellschaft?? Als George sich in das Gästebuch eintrug und dabei seine deutsche Adresse angab, fragte die Landlady:"Are you british, Sir?".
Was soll´s ? Wir aßen gut und reichlich und fuhren am nächsten Morgen gen Parkeston Quai und gingen an Bord der "St. Edmund".
Als ich an der Reling stand, waren mir die Tränen sehr nahe. In kurzer Zeit hatte ich ein wenig von diesem Land kennengelernt. Seine herrliche Landschaft mit den alten Bauten hat mir sehr gefallen.
Doch.....was hätte ich in diesem Land gemacht, ohne meinen privaten, englischen Reiseführer? Ich wäre verloren gewesen. Deshalb haben wir wahrscheinlich auch geheiratet.

Heute sind wir schon über 30 Jahre verheiratet und ich werde für den Rest meines Lebens gerne an diese wunderschöne Reise zurückdenken.