Still ruht der See, er ladet ein....
(ruft in mir Schillerīs Wilhelm Tell in Erinnerung)
doch nicht zum Baden, sondern zum Betrachten.
Wie in Watte eingehüllt, so präsentierte er sich.
Ein seltener, aber hübscher Anblick.
Sonnenaufgang

Nach einer kurzen, kühlen Nacht
ist wiederum ein Tag erwacht.
Aus dunstig, grauer Dämmerung
der werdende Tag sucht Bestätigung.

Es fliehen die kühlen Schatten der Nacht;
eine wärmende Sonne zieht auf mit Macht.
Sie liebkost zart die Felder, Wiesen
und Auen
und lässt uns eine blühende Welt
erschauen.

Im Wald jubilieren schon tausend Stimmen,
drum lasst uns froh unseren Tag beginnen.
Ach hätten wir nur ein bisschen von der Natur,
so gäbe es lauter fröhliche Menschen nur.

Verfasser unbekannt
So groß möcht ich sein,
dass mein Vater, der Berg,
der die Lande überblickt,
sei mir der Thron,
diese Massen von Stein,
so groß möcht ich sein.
So frei möcht ich sein,
dass mein Bruder, der Wind,
der alle Weltenden kennt,
mich mitnimmt auf Reisen,
die jedes Warten verzeihīn,
so frei möcht ich sein.
So lieb möcht ich sein,
dass meine Tochter, die See,
die Kontinente verbindet,
meinen Gedanken dir zuträgt,
sei er noch so klein,
so lieb möcht ich sein.

Pepsi
Durchs Fenster schaute ich hinaus
und dachte mir, da musst du raus.
Keine Zeit mehr zum Verweilen
Musste schnell zum See hin eilen.

Wie in Watte..in Nebel gehüllt,
hatte sich heute ein Traum erfüllt.
So feenhaft sah alles aus,
ich dachte nicht mehr an Zuhausī

Ich stand am Ufer voller Staunen,
hörte den Wind ganz leise raunen,
ganz verträumt sah ich auf den See
träumte und wünschte mir eine Fee.

I.Fowler
Am See

Der Mond ist in den See gefallen,
das Wasser saugt sich satt an Licht,
ans Ufer wellt es sich kristallen,
wo sacht der nasse Spiegel bricht.

Gespenstisch steigen Nebelschwaden
die Böschung aufwärts hoch zum Strand,
verirren sich wie Traumplejaden
und lassen Glimmerspur`n im Sand.

Die Nacht liegt im Gezweig der Wälder.
Sie hüllt das Land in tiefe Ruh`.
Das Brot im satten Leib der Felder
träumt jetzt schon seiner Reife zu.

von Lisa Nicolis
Am See

Lasst uns an diesen Ufern hier
Sitzen, staunen, Tiefe spürīn
Lasst die Wolken stille stehn
Und die Himmel weiterziehn

Lasst der Ferne ihren Bogen
Und dem Winde seine Wogen
Lasst das Dunkle ruhn am Grunde
Lasst uns leben - diese Stunde

Lasst uns von den Wassern trinken
Auf die Steine niedersinken
Um mit den letzten Sonnenstrahlen
Unsre eigne Zeit zu malen

von Silvio Philipp

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

von Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)